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Was fehlt ist der Moment des Erin­nerns.

Es gibt kei­nen Moment. Es gibt eben gen­au die­sen Moment nicht, und des­we­gen gibt es auch kein Erin­nern.
Kei­ne Erin­ne­rung. Kein Bild. Kein Geruch. Kein Gefühl. Kein Geräusch. Kein Bewußt­s­ein.

 » Die Intra­kut­an­naht nach Halsted und Chas­sai­gnac ist eine kom­plett intra­ku­tan ver­lau­fen­de Naht; die Ober­haut wird    dabei nicht pene­triert. Wegen der feh­len­den Pene­tra­ti­on der Ober­haut zeich­net sich die­se Naht­va­ri­an­te bei unkom­pli­zier­ten Wun­den durch ein exzel­len­tes kos­me­ti­sches Ergeb­nis aus. Der Ein­stich soll­te senk­recht zur Haut­ober­flä­che erfol­gen. Die Nadel wird ent­lang ihrer Krüm­mung durch den Ein­stich durch­ge­dreht und nicht durch­ge­zo­gen. «

Mit die­sem Objekt the­ma­ti­sie­re ich die ste­tig wach­sen­de Kai­ser­schnit­tra­te und wie die Medi­zin, sowie die Gesell­schaft mit die­ser Tat­sa­che umgeht. Das Objekt ist Bestand­teil einer Foto­se­rie, wor­in ich die Geburt mei­nes Soh­nes, durch eine Schnit­t­ent­bin­dung unter Voll­nar­ko­se, ver­ar­bei­te.

Jeg­li­che Erin­ne­run­gen an die­sen ein­zig­ar­ti­gen Moment feh­len.

Ich ver­su­che gedank­li­ch, die­sem nicht exis­tie­ren­den Moment der Geburt, durch den Umgang mit dem Nah­ma­te­ri­al, näher­zu­kom­men und möch­te auf­merk­sam machen dar­auf, was pas­siert, nach die­ser Ope­ra­ti­on, phy­si­sch doch viel­mehr psy­chi­sch.

Den Schnitt sieht man kaum, er ver­blasst schnel­ler als man glaubt. 

Ich habe Angst.

Objekt, chir­ur­gi­sches Naht­ma­te­ri­al // 2015